Lukas Sünder

Statistic Cora

Kategorie: Kunst

Seit Corona ist das Interesse an Zahlen gewachsen. Täglich wird gecheckt, was für neue Infektions- und Todeszahlen es gibt, beim Essen werden die Prognosen gelesen und vor dem Einschlafen die neuen Bestimmungen für morgen. Auch wenn sie zur Orientierung nützlich sind, könnte man schon fast von einer Lust sprechen – per Definition das innere Bedürfnis, etwas zu tun, das auf eine Befriedigung gerichtet ist.

Um diese zu befriedigen, hat Lukas Sünder ihnen einen Körper gegeben: Statistic Cora. Sie ist immer erreichbar, sauber und strotzt nur so vor praller Zahlen. Eine wahre Wonne für alle, die einfach ein paar schöne Statistiken konsumieren wollen. Deswegen ist sie auch auf Pornhub und XHamster unterwegs und reibt sich in klassischer Pornomanier die Balken – ohne viel Kontext, ohne viel Gefühl. Die Arbeit ist ein humorvoller aber auch radikaler Appell an den Diskurs, indem sie deutlich macht, dass Konsum zwar befriedigend ist, aber nicht zur alleinigen Realität werden darf. 

Artist

Lukas Sünder (*1989) hat performative Künste in sozialen Feldern an der FH Frankfurt und Visuelle Kommunikation an der HfG in Offenbach studiert. Er arbeitet als selbstständiger Künstler und Mentor im Stadtteilbotschafter-Stipendium der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt.

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Interview

Was für eine Rolle spielt Kunst und Kultur in Zeiten von Corona und Ausgangssperre und was bedeutet es in dieser Zeit Künstler*in zu sein?

Corona hat die Gesellschaft noch mehr als zuvor in absolute Haltungen gezwängt. Diskurs ist gerade in der nötigsten Lage verpönnt. Menschen erkennen keine Differenz mehr zwischen politischer Entscheidung und wissenschaftlicher Expertise. Nur noch satirische und künstlerische Interventionen bereiten Sachverhalte so auf, dass sie kritisier- und verhandelbar sind. Kunst ist systemrelevant da sie Spektren verdeutlicht und als einziges Medium dafür geschätzt wird.

Inwieweit musstest du deine Arbeit an die gegebenen Umstände anpassen oder dich einschränken?

Ich lasse meine Ideen meistens von Leuten umsetzten, die Ahnung von der Materie haben. Während der Pandemie muss ich mir Techniken (bsp. Videobearbeitung) selbst beibringen um sie anzuwenden. Allerdings habe ich jetzt auch die Zeit dazu.

Wie beeinflussen die Umstände dich und dein soziales Umfeld?

Eine Merkwürdige Mischung aus in den Tag hineinleben (man weiß nicht was morgen ist) und notwendiger langfristiger Planung (bsp. beim Einkaufen, Materialbeschaffen, Aquise) macht Müde und senkt die Motivation. Es fällt mir schwer mein soziales Umfeld in diesem Trott mitzudenken.

Wie sieht die Welt nach dem Lockdown aus, wird danach alles besser oder schlechter und warum?

Genau wie vorher. Und das ist besser als schlechter.

Was machst du als erstes, wenn sich die Situation wieder entspannt hat?

Mit Oma zum Asiapalast.