Murat Önen

Man in a T-Shirt (after David Park)

Material: Öl auf Leinwand

Kategorie: Bildende/Angewandte Kunst

Isolation, Alleinsein, Warten aufs Ungewisse – Murat Önens Man in a T-Shirt zeigt eine Gefühlswelt, die im Augenblick viele nur zu gut kennen. Es ist fast unmöglich, sich nicht sofort darin wiederzufinden. Dabei ist die Figur eigentlich nicht so leicht zu greifen: der Blick geht ins Leere, das Gesicht bleibt anonym, und auch der Titel verrät wenig über sie. Und doch ist sie sehr nahbar. Vielleicht ist es ihre Verwundbarkeit – gesetztes Licht entblößt den privaten Moment der Melancholie, die Körperhaltung ist zu- und gleichzeitig abgewandt – vielleicht ist es aber auch gerade die Austauschbarkeit des Mannes, die so berührt. Sie verrät, dass er mit seiner Einsamkeit nicht allein ist.

Dieses und weitere Bilder sind ein paar Monate vor der Coronakrise entstanden, die Motive sind aber durch ihre Aura der Melancholie und Einsamkeit besonders jetzt ungewöhnlich nahbar.

Artist

Murat Önen (*1993) ist Student der Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. Seine Bilderwelten drehen sich um Clubkultur – Exzess, Befreiung und explizit die Schwulenszene. Mit seinen Artworks und Sets als Resident DJ im Dresdner Club objekt klein a ist er selbst ein Teil davon.

Isolation, Alleinsein, Warten aufs Ungewisse – Murat Önens Man in a T-Shirt zeigt eine Gefühlswelt, die im Augenblick viele nur zu gut kennen. Dieses und weitere Bilder sind ein paar Monate vor der Coronakrise entstanden, die Motive sind aber durch ihre Aura der Melancholie und Einsamkeit besonders jetzt ungewöhnlich nahbar.

Instagram

Wie beeinflussen die Umstände dich und dein soziales Umfeld?

Jeder Tag ist anders. Es geht mir definitiv besser, als noch vor ein paar Wochen, da sich die Situation allmählich normalisiert und ich mich mehr und mehr an die neuen Ausnahmezustände gewöhne. Ich versuche gerade erst mal ruhig zu bleiben und etwas langsamer an alles heranzugehen, weil die Lage alleine schon extrem viel Kraft fordert. Meiner Meinung nach sollte man momentan nicht so viele Erwartungen an sich selbst stellen und sich auf das konzentrieren, was einem gut tut. Am Anfang habe ich mir überlegt was ich alles erledigen könnte, weil ich ja plötzlich so viel Zeit haben werde. Aber die Realität sieht anders aus. Ich finde es wichtiger, dass man auf seine Psyche achtet, anstatt Corona to-do listen vorzubereiten. Wenn man damit beschäftigt ist, sich gerade zu viele Gedanken über die Zukunft, die finanzielle Lage oder seine Umfeld zu machen, ist es nicht leicht, einen freien Kopf zu haben und einfach weiter zu arbeiten. Ich bin mir sicher, erst wenn man sich halbwegs stabilisiert hat, einen Weg für sich gefunden hat, die gegebenen Umstände anzunehmen, kommt der Wunsch, an irgendetwas zu arbeiten, von alleine.

Inwieweit musstest du deine Arbeit an die gegebenen Umstände anpassen oder dich einschränken?

Ich bin von der aktuellen Situation sehr stark betroffen, weil ich erstens in der Kunstakademie studiere/arbeite und nebenbei als DJ tätig bin. Momentan kann ich nicht malen weil die Akademie geschlossen ist. Sogar unsere Arbeitsmaterialien können wir derzeit nicht abholen. Ein privates Studio habe ich leider noch nicht. Alle meine Auftritte sind natürlich auch abgesagt, was mich wiederum finanziell sehr einschränkt. Mein Minijob im Einzelhandel kann ich gerade auch nicht ausüben. Das alles ist ziemlich schockierend und nicht leicht zu verkraften. Wenn das alles länger dauern sollte, werde ich meinen Balkon in ein Atelier verwandeln.

Wie sieht die Welt nach dem Lockdown aus, wird danach alles besser oder schlechter und warum?

Eine sehr schwierig zu beantwortende Frage, weil ich ja gerade gar nicht weiß, wie lange das ganze dauern wird. Ich würde mir wünschen, dass wir alle, als Gemeinschaft, daraus lernen und nicht einfach so weitermachen als ob nichts passiert ist. Die Menschheit ist leider sehr gut darin, Dinge zu schnell zu vergessen. Außerdem habe ich natürlich Angst vor staatlicher Kontrolle und Überwachung. Momentan werden wir gezwungen zwischen unserer Freiheit und unserer Gesundheit zu entscheiden. Wenn die ganze Kontrolle unter den Namen Sicherheit normalisiert wird und wir uns daran gewöhnen, haben wir mit Sicherheit ein Problem!