Felix Klee

Isolation pieces

Kategorie: Film

Wenn der Alltag hauptsächlich aus den eigenen vier Wänden heraus gelebt wird, setzt sich die Welt aus neuen Bausteinen zusammen. Das Material dafür findet sich zuhause: Arbeit, Sehnsüchte, Ängste, Entscheidungen entstehen häufig am selben Ort.
Felix Klee ist gerade dabei, diese Bausteine zu einem Virtual Reality-Raum zusammenzusetzen. Dafür sammelt er Videos von Gegenständen, die ihm Menschen aus aller Welt schicken. Sie sind „isolation pieces“, Objekte, die die Isolation für die Einsender*innen besonders gut verkörpern. Jedes wird zunächst einzeln in ein 3D Modell umgewandelt, um dann einen Platz im Raum zu bekommen.

Isolation wird damit zum alles verbindenden Element. Felix Klee gibt dieser ungewohnten und vielleicht auch neuen Realität, die intensiv von zuhause gelebt wird, eine Gestalt: das Persönliche bekommt ungewohnt viel Raum, Gemeinschaft existiert vorwiegend virtuell. 

Wenn die Quarantäne vorbei ist, wird dieser Raum vollendet und virtuell begehbar sein. Bis dahin kann übrigens auch jede*r mitmachen und persönliche Isolationsobjekte einreichen. Mehr Informationen dazu hier:

Artist

Felix Klee (*1990) arbeitet als Filmemacher und bildender Künstler. Seine Arbeiten kombinieren Dokumentar-, Spiel- und Experimentalfilm, sowie Animation und Malerei. Sein Malereistudium schloss er an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg ab. Seine Arbeiten wurden auf zahlreichen internationalen Film Festivals, in Galerien und Museen gezeigt. Er lebt in München, wo er seit 2015 an der Hochschule für Fernsehen und Film Dokumentarfilmregie und Fernsehpublizistik studiert.

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Interview

Was für eine Rolle spielt Kunst und Kultur in Zeiten von Corona und Ausgangssperre und was bedeutet es in dieser Zeit Künstler*in zu sein?

Kunst und Kultur schaffen gerade die Welt in die wir uns alle fallen lassen, jetzt wo die Welt da draußen nicht mehr so ist, wie wir sie kannten. Egal ob wir Halt in der Theateraufzeichnung, in einer Serienwelt, in unserem Lieblingsalbum oder in Sims finden. Kultur schafft die Erfahrungen, die uns durch diese Zeit bringen. Müssten wir alle gegen die weiße Wand unseres Isolationszimmers starren, wären wir wohl schon alle dem kollektiven Wahnsinn verfallen – also etwas zugespitzt gesagt. Ich glaube es zeigt sich, dass, was wir schaffen, relevant ist für Menschen. Leider hat sich auch gezeigt, dass das System uns nicht für relevant genug hält um uns aufzufangen.

Wie beeinflussen die Umstände dich und dein soziales Umfeld?

Meine Frau ist mexikanische Regisseurin. Eigentlich sollte ich gerade mit ihr Mexiko sein um einen Hybridfilm und einen animierten Dokumentarfilm zu realisieren. Die weltweite Krise hat uns jetzt auf unbestimmte Zeit getrennt: Gisela in Aguascalientes. Ich in Niederbayern.
In Mexiko fängt es gerade erst richtig an und es wird sicher noch sehr lange anhalten. Keiner weiß, wie sich die Situation im Land entwickeln wird. Natürlich haben wir da auch Angst.

Ich lebe hier in Deutschland auf dem Land. Ich bilde mir ein, dass es das ein bisschen einfacher macht. Aber es sind alle Jobs weggefallen. Wirklich alle. Viele meiner Freunde haben auch wirklich Existenzängste.

Inwieweit musstest du deine Arbeit an die gegebenen Umstände anpassen oder dich einschränken?

In den letzten zwei Jahren habe ich bereits viel mit Freunden aus Mexiko und Kamerun zusammengearbeitet. Gemeinsam aus der Distanz an Projekten zu schreiben, schneiden, modellieren, das erstreckt sich jetzt auch auf alle anderen Kollaborationen. Egal ob die Menschen die Isolation um die Ecke oder tausende Kilometer entfernt verbringen.

Eigentlich wollte ich dieses Jahr mit meiner Frau zwei Filme in Mexiko drehen. Die sind leider auf unbestimmte Zeit verschoben. Ich hoffe aber, dass sie trotzdem noch realisiert werden können. Da sind wir sehr auf das Entgegenkommen der Filmförderung und Universitäten angewiesen.

In Deutschland arbeite ich gerade mit Felizitas Hoffmann an einer Virtual Reality Dokumentation. Eine VR-Brille wird sich in den nächsten eineinhalb Jahren aber niemand aufsetzen. Deswegen müssen wir jetzt andere Wege finden unser Projekt über das Hin- und Wegsehen zu übersetzen. Wir arbeiten an einer Web-Portierung und einem Kurzfilm. Es ist aber auch interessant sich aus der Not heraus mit anderen Wegen zu beschäftigen.