Cloutboi Juli und Pink Stan

Quarantainment

Kategorie: Musik

Wochenlang zuhause eingesperrt zu sein kann irgendwann sehr anstrengend werden. Es sei denn, man lebt mit seinem Rapkollegen zusammen und hat ein kleines Tonstudio in der WG – so wie Julius Peter und Konstantin Molodovsky aka Cloutboi Juli & Pink Stan. Seit dem Lockdown können sie den ganzen Tag Musik machen und Videos drehen, oft auch mit ihren Mitbewohnern Rave Dave und Narses. In dieser Traumsituation sind unter anderem der Track Quarantainment und das Video dazu entstanden.

Wie andere Musiker*Innen sind sie von wegfallenden Gigs stark betroffen, wodurch Online-Plattformen noch wichtiger für sie geworden sind. Mit geballter kreativer Energie feuern sie Tracks und Videos in die isolierten Wohnzimmer von 2020 – Quarantainment hat es dadurch schon ins Radio geschafft.

Artists

Cloutboi Juli (Julius Peter, *1997) und Pink Stan (Konstantin Molodovsky, *1997) sind ein Hip Hop-/ Trap-Duo aus München. Ihre musikalischen Wurzeln liegen irgendwo zwischen Hardcore/Nu Metal und Oper. Ihr spontaner Stil ist geprägt von vielen Reisen, auf denen sie eine Möglichkeit finden mussten, mobil Musik und Videos zu machen und sich schnell an die Umstände anzupassen. Sie kennen sich seit der Grundschule und haben 2018 neben dem Studium angefangen, zusammen Musik zu machen.

Interview mit Konstantin Molodovsky aka Pink Stan

Was für eine Rolle spielt Kunst und Kultur in Zeiten von Corona und Ausgangssperre und was bedeutet es in dieser Zeit Künstler*in zu sein?

Meine Freunde und ich arbeiten zusammen mit einem Münchner Künstlerkollektiv daran, Kunst und Musik über Online-Ausstellungen für Kunstinteressierte Menschen wieder zugänglich zu machen. Ich habe das große Glück mit meinen kreativen Homies in einer WG zu wohnen. Wir versuchen das beste daraus zu machen und produzieren jeden Tag neue Musik, drehen Musikvideos und Kurzfilme bei uns im Haus und nutzen die Zeit auch, unsere Mukke über das Internet nach außen zu tragen! Mit einem meiner Mitbewohner habe ich ein Trap/Hip-Hop-Projekt (Cloutboi Juli & Pink Stan), ein anderer ist unser DJ aber auch gleichzeitig der Schlagzeuger von meiner Hardcore-Band (Kann Tod Frieden Bringen). Mit dem vierten Im Hause drehe ich Kurzfilme und studiere Architektur. Na klar fallen uns leider für diesen Sommer einige Auftritte weg (wir hätten dieses Jahr zum Beispiel auf dem Stustaculum und auf dem LMU Sommerfest gespielt). Dennoch profitieren wir von der Situation, da wir alle gezwungen sind, zuhause zu bleiben, und somit viel Zeit gemeinsam in all unsere Kunst- und Musikprojekte stecken können. Zur Rolle von Kunst in Zeiten von Corona: Wenn man von den finanziellen Verlusten und existelziellen Bedrohungen für viele Künstler absieht (was sehr schwer fällt, finde ich persönlich sehr faszinierend wie kreativ mit der Krise umgegangen wird und welche Dinge entstehen, die ohne die Pandemie wohl nie entstanden wären (Online-Exhibitions, Livestream-Konzerte, etc.). Vor allem Musik ist zu Zeit wichtiger denn ja, da die Menschen durch das Zuhausebleiben ca. drei mal so viel Internet, Serien und Musik konsumieren, wie sonst üblich. Wir als Musiker versuchen da natürlich unseren Beitrag dazu zu leisten, unsere Hörer gut gelaunt durch den sehr monotonen “neuen Alltag” zu begleiten.

Inwieweit musstest du deine Arbeit an die gegebenen Umstände anpassen oder dich einschränken?

Was die Musikproduktion angeht, könnte es nicht besser sein, da wir ein kleines Tonstudio bei uns in der WG haben und somit uneingeschränkt und wann immer wir wollen neue Mukke machen können. Die Musikvideoproduktion beschränkt sich seit 3 Videos auf unser Haus, unseren Garten und auf unser Dach (Wir wohnen in Waldperlach und haben sehr viel Platz). Konzerte und Ausstllungen fallen leider weg. In der Uni läuft alles über Online Videokonferenzen. Kunstausstellungen waren immer ein wichtiger Bestandteil bei uns im Projekt-Team. Gemeinsam arbeiten wir jetzt deswegen gerade, wie schon erwähnt, an Möglichkeiten unsere Arbeiten, Fotografien und Kunst online über Streams, IGTV, etc. ausstellen zu können.

Parallel dazu habe ich mir in den letzten Wochen ein neues Ziel gesetzt. Ein “Collabo-Album” mit Münchner Musikern. Das bedeutet: ich schreibe 10 Tracks (alle instrumental) und auf jedem Song wird ein/e andere Musiker/in aus München singen oder rappen. Alle die daran teilnehmen haben ein eigenes Mikrophon zuhause und können mir ihre Aufnahmen per Mail zusenden, sodass ich die Songs dann für jeden finalisieren kann. Auch diese Projekt wäre mit Sicherheit ohne den Lockdown nicht entstanden. 7 Tracks sind bereits fertig – ich freue mich sehr darauf, euch bald das Ergebnis präsentieren zu können!

Wie sieht die Welt nach dem Lockdown aus, wird danach alles besser oder schlechter und warum?

Ich wünsche mir von uns allen (mich eingeschlossen), dass sich unser Bewusstsein nach dem Lockdown verändert. Dass wir den Menschen, die jetzt in der Öffentlichkeit arbeiten und dafür sorgen, dass unser System nicht völlig zusammenbricht, mit Respekt gegenübertreten. Das geht von der Supermarktkassiererin bis zum Altenpfleger. Diesen Menschen einfach mal sagen: ” Danke, du machst nen geilen Job!”

Was die Umwelt angelangt: Es gibt immer mehr positive Nachrichten, dass sich die Umwelt bspw. aufgrund des geringen Flugverkehrs regeneriert und vor allem das Klima in der Großstädten sich verbessert. Ich hoffe, dass die jetzige Situation dazu beiträgt, das wir unser Reise- und Verkehrsverhalten überdenken. Die aktuelle Lage ist der Beweis dafür, dass wir die klimatische Zukunft selbst in der Hand haben und eine Verbesserung möglich ist, wenn genug Menschen an einem Strang ziehen. Allerdings sehe ich persönlich in dieser Sache schwarz. Ich bin mir sicher, dass das Verlangen nach Konsum und Reisen in unserer Gesellschaft nach dem Lockdown höher sein wird, als je zuvor.